Ökostrom: was hinter dem Label steckt

Fast jeder Tarif im Vergleich trägt heute das Wort Ökostrom. Unterschiede gibt es trotzdem.

02.09.20265 Min. Lesezeit

Physikalisch fließt überall derselbe Strom

Aus Ihrer Steckdose kommt der Mix des Netzes. Was Sie kaufen, ist eine bilanzielle Zuordnung: Ihr Anbieter weist nach, dass für Ihren Verbrauch die gleiche Menge erneuerbar erzeugt wurde.

Der Nachweis läuft über Herkunftsnachweise, die beim Umweltbundesamt registriert werden. Sie sind handelbar, und genau da beginnt der Unterschied zwischen den Tarifen.

Umetikettiert oder zusätzlich

Im günstigsten Fall kauft ein Anbieter Strom an der Börse und dazu norwegische Wasserkraftnachweise. Das ist legal und ändert am Kraftwerkspark wenig.

Anspruchsvollere Tarife verpflichten sich zum Neubau von Anlagen oder stammen von Versorgern mit eigenen Wind- und Solarparks. Anbieter wie prokon oder die Berliner Stadtwerke betreiben eigene Erzeugung, andere investieren einen festen Betrag je Kunde.

Die Siegel

ok-power und Grüner Strom Label stellen Anforderungen an den Zubau neuer Anlagen. TÜV-Zertifikate prüfen dagegen oft nur die bilanzielle Herkunft, je nach Prüfgrundlage. Im Vergleich taucht bei einzelnen Tarifen zusätzlich die Kennzeichnung Ökostrom Plus auf, die auf strengere Kriterien verweist.

Wenn Ihnen der Beitrag zur Energiewende wichtig ist, achten Sie auf ok-power oder Grüner Strom Label. Wenn es Ihnen um den Preis geht, nehmen Sie den günstigsten Ökostromtarif, der Unterschied zu konventionellen Tarifen ist meist klein.

Kostet Ökostrom mehr?

Kaum noch. In den Ergebnislisten stehen Ökostromtarife regelmäßig auf den vorderen Plätzen, teils günstiger als Standardtarife. Die Zeiten, in denen Grünstrom ein Aufpreis war, sind vorbei.

Die Stromkennzeichnung lesen

Jeder Anbieter muss jährlich ausweisen, woraus sein Strom erzeugt wurde, aufgeteilt nach Kernkraft, Kohle, Erdgas, sonstigen fossilen Energieträgern und erneuerbaren Energien. Diese Tabelle steht auf der Rechnung und auf der Website.

Bei reinen Ökostromtarifen steht dort 100 Prozent erneuerbar. Interessanter ist der Unternehmensmix: Ein Versorger, der daneben Kohlestrom verkauft, ist etwas anderes als einer, der ausschließlich Grünstrom im Portfolio hat.

Regionalstrom und eigene Anlagen

Manche Stadtwerke bieten Strom aus Anlagen in der eigenen Region an, etwa aus einem Windpark im Landkreis. Das ist nachvollziehbarer als ein Nachweis aus Skandinavien, kostet aber oft ein paar Euro mehr im Monat.

Wer eine eigene Photovoltaikanlage hat, braucht trotzdem einen Reststromtarif für Nacht und Winter. Achten Sie dann auf einen niedrigen Grundpreis, weil der Arbeitspreis bei wenigen bezogenen Kilowattstunden kaum ins Gewicht fällt.

Häufige Fragen

Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?

In der Regel nicht. Im aktuellen Vergleich liegen zahlreiche Ökostromtarife preislich vor konventionellen Angeboten.

Was bedeutet Ökostrom Plus?

Eine Kennzeichnung für Tarife mit strengeren Anforderungen, etwa an den Zubau oder die Herkunft aus deutschen Anlagen. Die genauen Kriterien stehen in den Tarifdetails.

Bringt mein Wechsel der Energiewende etwas?

Direkt wenig, wenn nur Nachweise gehandelt werden. Spürbar wird es bei Anbietern, die in neue Anlagen investieren oder eigene betreiben.

Quellen

  • Umweltbundesamt, Herkunftsnachweisregister
  • Kriterien ok-power und Grüner Strom Label