Was ein Balkonkraftwerk leistet
Zwei Module mit zusammen rund 800 Watt Einspeiseleistung liefern je nach Ausrichtung 500 bis 900 kWh im Jahr. Bei 28 Cent je kWh sind das 140 bis 250 Euro, vorausgesetzt Sie verbrauchen den Strom selbst.
Genau das ist der Punkt: Was Sie tagsüber nicht verbrauchen, fließt ohne Vergütung ins Netz. Kühlschrank, Router und Standby laufen ohnehin und decken einen guten Teil ab.
Die Regeln seit dem Solarpaket
Erlaubt sind 800 Watt Wechselrichterleistung, die Modulleistung darf bis 2.000 Watt Peak betragen. Die Anmeldung erfolgt nur noch im Marktstammdatenregister, eine separate Meldung beim Netzbetreiber entfällt.
Ein rückwärts laufender Zähler ist übergangsweise geduldet, bis der Netzbetreiber gegen ein modernes Gerät tauscht. Sie müssen den Tausch nicht selbst anstoßen.
Miete und Eigentum
Steckersolargeräte gehören seit der Reform des Miet- und Wohnungseigentumsrechts zu den privilegierten Maßnahmen. Vermieter und Eigentümergemeinschaft können die Installation nicht grundlos verweigern, über die Art der Befestigung darf aber mitentschieden werden.
Klären Sie die Montage schriftlich, besonders bei Balkonbrüstungen über öffentlichem Grund.
Was es nicht kann
Ein Balkonkraftwerk versorgt keinen Haushalt und ersetzt keinen Stromvertrag. Nachts und im Winter beziehen Sie normal aus dem Netz. Wer beim Strompreis wirklich sparen will, kombiniert es mit einem guten Tarif.
Auch die Amortisation ist überschaubar realistisch: Bei 500 Euro Anschaffung und 180 Euro Ersparnis im Jahr sind es knapp drei Jahre. Das ist gut, aber kein Selbstläufer bei ungünstiger Nordausrichtung.
Wie Sie den Eigenverbrauch erhöhen
Der Ertrag hilft nur, wenn zeitgleich Strom verbraucht wird. Verlegen Sie Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner in die Mittagsstunden, am besten per Zeitvorwahl. Ein Warmwasserboiler mit Zeitschaltuhr ist ein weiterer guter Abnehmer.
Kleine Speicher für Steckersolargeräte gibt es inzwischen ab etwa 700 Euro. Sie verschieben den Mittagsertrag in den Abend und heben die Eigenverbrauchsquote deutlich, verlängern aber auch die Amortisationszeit.
Ausrichtung und Standort
Süden bringt den höchsten Jahresertrag, Ost und West liefern dafür gleichmäßiger über den Tag verteilt, was zum Verbrauchsprofil vieler Haushalte besser passt. Eine Nordfassade lohnt sich nicht.
Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume kostet überproportional viel, weil bei Reihenschaltung schon ein teilverschattetes Modul die Leistung des Strangs drückt. Prüfen Sie den Standort im Winter, wenn die Sonne flach steht.
Häufige Fragen
Muss ich das Balkonkraftwerk anmelden?
Ja, im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Der Eintrag dauert wenige Minuten und ist kostenlos.
Brauche ich einen neuen Zähler?
Ein alter Ferraris-Zähler darf übergangsweise weiterlaufen. Den Tausch veranlasst der Messstellenbetreiber.
Bekomme ich Geld für eingespeisten Strom?
Praktisch nicht. Der Nutzen entsteht durch Eigenverbrauch, deshalb lohnt es sich, Geräte tagsüber laufen zu lassen.
Quellen
- Solarpaket I, Regelungen zu Steckersolargeräten
- Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur
