Was Gewerbestrom unterscheidet
Preise werden netto ausgewiesen, weil Betriebe die Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. Ein Angebot mit 22 Cent netto entspricht 26,2 Cent brutto, vergleichen Sie also nie direkt mit Haushaltstarifen.
Ab einem Verbrauch von 100.000 kWh im Jahr greift die registrierende Leistungsmessung. Dann wird nicht mehr nach Jahresverbrauch abgerechnet, sondern nach einem Lastgang mit Leistungspreis. Darunter läuft es wie beim Haushalt, nur mit anderen Tarifen.
Wo Betriebe Geld liegen lassen
Viele kleine Betriebe sind nie gewechselt und zahlen den Gewerbetarif des Grundversorgers. Bei 20.000 kWh im Jahr sind fünf Cent Unterschied bereits 1.000 Euro.
Der zweite Punkt ist die Vertragslaufzeit. Gewerbeverträge laufen oft 24 Monate mit automatischer Verlängerung und längeren Kündigungsfristen als im Privatbereich. Notieren Sie den Kündigungstermin, sobald der Vertrag unterschrieben ist.
Lastprofil und Preis
Ein Betrieb mit gleichmäßigem Verbrauch über den Tag bekommt bessere Konditionen als einer mit starken Spitzen. Bäckerei, Gastronomie und Werkstatt haben sehr unterschiedliche Profile, auch bei gleichem Jahresverbrauch.
Wer Lastspitzen glätten kann, etwa durch versetzte Startzeiten großer Maschinen, verbessert seine Position bei der nächsten Ausschreibung.
Umlagen und Entlastungen
Die Stromsteuer kann für das produzierende Gewerbe reduziert sein, dafür ist ein Antrag beim Hauptzollamt nötig. Für Handel und Dienstleistung gilt der reguläre Satz.
Prüfen Sie außerdem, ob eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Betriebsdach wirtschaftlich ist. Der Eigenverbrauch tagsüber passt bei vielen Betrieben gut zum Lastprofil.
Wechseln im laufenden Betrieb
Der Ablauf gleicht dem privaten Wechsel: neuer Vertrag, Kündigung durch den neuen Anbieter, technisch unterbrechungsfrei. Für Betriebe mit Lastgangmessung kommt eine Anmeldung des Bilanzkreises hinzu, das erledigt der Anbieter.
Angebote richtig einholen
Für Betriebe lohnt sich die Anfrage mit konkreten Daten: Jahresverbrauch der letzten zwölf Monate, Zählernummer, Netzbetreiber und gewünschte Laufzeit. Mit diesen Angaben bekommen Sie ein verbindliches Angebot statt einer Schätzung.
Holen Sie mindestens drei Angebote ein und vergleichen Sie zum selben Stichtag. Strompreise im Gewerbebereich sind tagesaktuell kalkuliert, ein zwei Wochen altes Angebot ist nicht mehr vergleichbar.
Steuerliche Behandlung
Stromkosten sind vollständig Betriebsausgaben, die Umsatzsteuer ist als Vorsteuer abziehbar. Bei gemischt genutzten Räumen, etwa einem Arbeitszimmer in der Wohnung, muss der betriebliche Anteil nachvollziehbar aufgeteilt werden.
Ein separater Zähler für den betrieblichen Teil erspart die Schätzung und wird vom Finanzamt ohne Diskussion anerkannt. Bei nennenswertem Verbrauch rechnet sich der Einbau schnell.
Häufige Fragen
Ab wann gilt ein Anschluss als Gewerbe?
Sobald der Strom überwiegend betrieblich genutzt wird. Entscheidend ist die Nutzung, nicht die Verbrauchsmenge.
Sind Gewerbetarife günstiger als Haushaltstarife?
Netto oft ja, weil Grundpreise und Marge anders kalkuliert sind. Der Vergleich lohnt sich trotzdem, die Spannweite ist groß.
Was ist ein Leistungspreis?
Ein Entgelt für die höchste im Abrechnungsjahr abgerufene Leistung in Kilowatt. Er fällt nur bei registrierender Leistungsmessung an.
Quellen
- Stromsteuergesetz, Entlastungen für das produzierende Gewerbe
- Bundesnetzagentur, Messung und Abrechnung ab 100.000 kWh
